Freitag, 25. August 2017

Finnland: Wasser, Selbstmordrate - und keine Mücken

Endlich hab ich mal wieder eine wirkliche Grenze überquert. Mein erster richtiger Urlaub seit Jahren und dann auch noch in Finnland, das Land, das ich bereits zu Studienzeiten besuchen wollte. Ein Wintersemester, wovon mit der betreuende Professor damals vehement abriet.
"Was wollen Sie denn da im Winter? Ich kenne nur Leute, die da wegwollen. Die Sonne geht nie auf, die Schnapsflaschen stapeln sich vor der Sauna und die haben die höchste Selbstmordrate Europas." 
"Meine Güte, sollten Sie nicht Werbung für diesen Austausch machen?"
"Ich mache mir SORGEN um Sie!"
Ganz davon abgesehen, dass die Finnen, wie ich zwischenzeitlich in einem Münchner Theater sehen konnte, mit ihrer Selbstmordstatistik sehr schwarzhumorig umgehen, hätte mich das nicht abgehalten, aber tatsächlich hätte ich wegen verschobener Zeiten zwei Semester in Deutschland verpasst, um dort eines machen zu können. So landete ich am Ende in Montreal, was auch herrlich war.


Jetzt aber endlich Finnland, dann halt im Sommer. Anlass war mein Freund und sein Wunsch, zur Worldcon nach Helsinki zu fahren, von der ich in einem anderen Beitrag noch erzählen werde. Doch natürlich kam es für mich nicht in Frage, diese Reise zu machen, ohne in die wundervolle finnische Natur einzutauchen. Viele Bekannte sind schon dort gewesen und haben mir unisono geraten: "Nimm um Himmels willen Mückenspray mit!" Obwohl man ja angeblich besser das Zeug vor Ort kauft, wo es exakt auf die Insektenwelt des Landes abgestimmt ist, steckte ich mal zwei Spraydosen ein. Dass mich frühmorgens in Schwedt auf dem Weg zum Zug gleich zwei Bremsen überfielen, schien mir ein Omen zu sein.
Das sollten bis auf einen einzigen die letzten Stiche des Urlaubs bleiben.

Tatsache: Anfang August gilt in Finnland schon als Saisonende. Die Massen von Mücken, die alle in bester Erinnerung haben, werden vom frischen Wind davongepustet und die Holzhütten, die wir uns von Tag zu Tag spontan zum Übernachten buchten, je nachdem, wo es uns hinverschlagen hatte, waren immer zu kriegen. Tatsächlich steckten uns die Betreiber der Ferienhaussiedlungen offensichtlich immer mit dem einzigen anderen Gast zusammen, damit wir uns nicht langweilten. Das war in unserer ersten Nacht nahe Kouvola und dem Repovesi Nationalpark Raymond aus Nottingham (ganz recht, DAS Nottingham). Der rüstige Rentner gondelt in der ganzen Weltgeschichte herum und liebt es, mit jungen Leuten zu diskutieren ("Ah, wenn wir schon dabei sind, Blödsinn zu reden...") und dabei provokante Standpunkte einzunehmen ("Irgendwie bewundere ich Trump."). Aber er hört zu und ist bereit, seine Meinung zu ändern, das respektiere ich.

In Kouvola erwischte uns der einzige richtige Regentag unserer Reise, den wir dann spontan umplanten und spontan im Papiermühlenmuseum von Verla verbrachten, einem UNESCO-Weltkulturerbe, wo man leider nicht fotografieren darf, zumindest nicht drinnen. Die Fabrik ist nur ein paar Jahre nach ihrer Schließung 1972 als Museum neu eröffnet worden und steht noch genauso da wie damals, als Maria Mattsson im Alter von 77 in Rente ging. 51,5 Jahre hat sie immer an derselben Stelle gestanden und die schweren Pappbögen gewogen. Dabei haben sich ihre Fußabdrücke in die Holzbohlen eingegraben. Irre!

In Kouvola sind wir dann auf der Suche nach einem Supermarkt einem Ritter über den Weg gelaufen, mit Waffenrock, Kettenhaube, Schwert und allem. Nun sind weder Gerd noch ich Fremde in der Szene und ließen uns von dem Recken gleich den rechten Weg weisen zum Markt. Auch im Dauerregen waren wir nicht die einzigen Deutschen dort. Als die Band, die gerade auf der Bühne so mitreißende irische Musik fabrizierte, kurz innehielt, um untereinander das weitere Programm zu beraten, staunten wir nicht schlecht, dass wir sie ausgezeichnet verstehen konnten. "The Sandsacks" aus Berlin waren uns nur um einen Tag vorangeflogen (und hoffentlich nicht wie wir wegen Überbuchung auf die Schleudersitze geraten, dass es ein reines Wunder war, dass wir doch noch am gleichen Tag nach Helsinki kamen, aber das ist eine andere Geschichte). 

Was in Finnland übrigens irre gut ist: das Essen. Sonst, wenn ich im Ausland bin, vermisse ich doch sehr schnell und sehr snobistisch das deutsche Brot, aber die Finnen stehen unseren Landsleuten im Backen von Körnerbrot und Brötchen in nichts nach. Insgesamt eher britisch geprägt (die Frage nach "Restrooms" überforderte eine Kellnerin völlig, "Toilets" waren das Zauberwort), gibt es auch immer Porridge. Der Haferbrei mag nicht jedermanns Sache sein, aber ich liebe das Zeug. Und gerade, als wir noch etwas abseits der Zivilisation unterwegs waren, wirkten unsere Frühstücksräume immer, als hätten unsere Gastgeber uns zu sich nach Hause eingeladen.
Unser privater Bootssteg in Teijo
Aber eines stimmt, was man über Finnland sagt: Es ist teuer. Auch wenn man sich den Alkohol verkneift, mit zwei normalen Portionen und zwei Softdrinks (Finnland ist ein Pepsi-Land, also blieb ich meistens bei Apfelsaft) kommt man trotzdem kaum unter 50 Euro aus einem Restaurant raus. Übrigens ohne Trinkgeld - man gibt keins. Die Kellner sind überaus freundlich und reagieren fast beleidigt, wenn man nach "Tip" fragt.  

Finnische Pizzavariante im Niska, direkt am Strand von Ekenäs
Abseits der Zivilisation ist übrigens relativ: Selbst wenn man mitten im Nationalpark auf von Wurzeln völlig zerfurchten Trampelpfaden unterwegs ist und über Felsen klettert, sind die Wanderwege in Finnland stets perfekt ausgeschildert und markiert. Die Straßen mögen Lehmpisten sein, aber entsprechen exakt der Karte, die wir in der Touristeninfo bekommen haben. Wenn man auf irgendeiner kleinen Insel vor einem Fähr-Fahrplan steht und versucht, ihn zu entziffern, steht sofort eine hilfreiche Touristeninformation-Angestellte hinter einem und spricht nahezu akzentfrei Deutsch.

Felsen, Wurzeln, Seen, Blaubeeren, Heidekraut und Moos in den irrsten Farben - das ist das, was sich mir ins Gedächtnis eingebrannt hat. Wie viel Zeit hab ich allein damit verbracht, Moos zu fotografieren. So viele verschiedene Sorten in solch nuancierten Schattierungen von Grün, die kaum eine Digitalkamera einfangen kann, und dazu so unglaublich flauschig (wenn es nicht so feucht wäre...)!


Gut, dass sich Wasser und Moos nicht über Paparazzi beschweren, denn manchmal konnte ich gar nicht mehr aufhören mit Fotografieren. Nur von der spektakulärsten Tierbegegnung habe ich kein Bild, denn die war in der Abenddämmerung und aus dem Auto heraus: Ein Rentier spazierte in aller Seelenruhe durch ein Getreidefeld. 
Komm mir nicht zu nah!
Ein besonderer Spaß sind die handbetriebenen Fähren, die die Wanderer selbst bedienen müssen, um nicht nur Beine, sondern auch Arme zu trainieren. 

 Sobald das Auto mit dabei ist, bleibt einem das glücklicherweise erspart, sonst hätten wir das "Inselhopping" über die finnischen Schären sicher nicht so gut hingekriegt. Einfach immer der Straße 180 bei Turku nach, und mit kleinen Brückchen und (meist kostenlosen) Fähren von Insel zu Insel muss man keine teure Rundfahrt buchen. Richtig toll wird es, wenn man auf eine Nebenstraße abbiegt und einer Achterbahn von Route folgt, um dann irgendwo an einem namenlosen Stückchen Strand eine Bank fürs Mittagspicknick zu finden.
Ist es da ein Wunder, dass mir der Abschied von der Natur erstmal ziemlich schwer gefallen ist an dem Tag, an dem wir mittags in Helsinki unser Mietauto wieder abgeben mussten, um und in den nächsten Tagen nur noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Stadt zu bewegen? (Übrigens, was der Reiseführer völlig vergessen hat zu erwähnen: Weil von einer Bushaltestelle immer mehrere Linien abfahren, hält ein Bus nur, wenn man ihm deutlich vom Straßenrand aus zuwinkt! Einfach nur an der Haltestelle stehen langt nicht, dann darf man am Ende nur nochmal zwanzig Minuten auf den nächsten Bus warten. So als Tipp.)

Aber dazu kann ich nur sagen: Helsinki, mea culpa! Das ist eine wunderschöne Stadt. Selbst wenn einiges eine Touristenfalle ist, mag ich die Markthalle aus dem 19. Jahrhundert, den überirdisch weiß strahlenden Dom, die Marktstände, die Elch-Hackbällchen und gezeichnete Postkarten anbieten, dass mittendrin zwischen den Straßenzügen auf einmal die Felsen wieder durchbrechen ... Den kleinen veganen Imbiss, wo nur Einheimische aßen und die Besitzer tatsächlich mal kein Englisch sprachen, aber superleckere Pommes machten, und selbst die völlig überdrehte, mit Gold überfrachtete größte orthodoxe Kirche außerhalb Russlands. 
Selbst mit "die Natur hinter uns lassen" hatte ich Unrecht, denn mit einem regulären Dreitagesticket für die Öffis (18 Euro) kann man auch die Fähre zur Festung Suomenlinna nehmen (nebenbei bemerkt: Sind diese Namen nicht super? Die Straßenschilder in Finnland können manchmal eeeewig lang sein und jedes einzelne Wort bereitet mir allein vom Ansehen Kopfschmerzen, aber die Sprache klingt sehr angenehm. kein Wunder, dass Tolkien als Vorbild für seine Elbensprache nahm.). Es ist unglaublich absurd, inmitten von grünen Hügeln, Klippen und Nonnengänsen diese Abwehrmauern, Kanonen und Flakgeschütze aus verschiedenen Epochen zu finden. Und dass auf dieser Insel ein Flüchtlingsheim eröffnet wurde für Menschen, die gerade vor Krieg geflüchtet sind, zeugt in meinen Augen nicht ganz von Fingerspitzengefühl, aber es hat eine gewisse Symbolik, schließlich sind diese Waffen schon lange nicht mehr im Betrieb. 
Hier also haben wir unsere Füße zum letzten Mal in die Ostsee gesteckt (ich bin nicht schwimmen gegangen, es war mir zu kalt, aber Gerd hat es einmal gewagt) und am Abend hat uns das zweite Gewitter unserer Reise gebührend verabschiedet - bewundert durch die Scheibe eines Burgerrestaurants hat uns das wenig gejuckt. 

"Wie ist die Welt doch groß und weit, sprach die Alte, als sie einen Stock zur Saunaluke hinaussteckte", sagt ein finnisches Sprichwort. Und ich bin froh, wieder ein neues Land bereist und eine neue Kultur kennengelernt zu haben. Beim nächsten Mal muss ich ganz dringend mehr Zeit mitbringen. Statt Mückenspray. 

P.S. Der Rückflug hat mir übrigens noch etwas Interessantes beschert: Den Blick auf meine Wahlheimat Schwedt aus rund sieben Kilometern Höhe. 

Donnerstag, 13. Juli 2017

Ein Jahrzehnt mit Journalistik-Diplom: eine Bilanz

Gerade das Zeugnis von Professor Hömberg entgegengenommen - ganz fest halten!

Nächsten Mittwoch jährt sich die Verleihung meines Journalistik-Diploms an der Universität Eichstätt zum zehnten Mal. Zehn Jahre! Bin ich jetzt offiziell alt? Und was ist alles passiert in dieser Zeit. Seit diesem Monat, dem Juli 2017, bin ich nicht mehr Mitglied im Deutschen Journalistik Verband und hab damit für mein Gefühl einen endgültigen Schlussstrich gezogen unter die Karriere, die ich angestrebt habe, seit ich 14 Jahre alt war. Ganz davon abgesehen, dass ich noch immer gelegentlich den ein oder anderen Artikel schreibe und in der Medienwerkstatt des Mehrgenerationenhauses einer Gruppe journalistisches Arbeiten beibringe (und sie mir, was allein Klaus-Dieter alles auf Photoshop drauf hat! Den Kurs hat die Uni leider erst nach uns eingeführt). Aber meine hauptberuflichen Standbeine haben sich verlagert in Richtung Lektorat und Autorin - und ich bin zufrieden damit, auch wenn es sich eigenartig anfühlt.

Antonistraße Eichstätt

Auch wenn der Journalismus rückwirkend betrachtet für mich vielleicht mehr eine Art war, meine Lust am Schreiben in eine "vernünftigere" Berufswahl umzuwandeln (hach, die Zeit vor dem großen Anzeigencrash und der Internet-Panik, als Zeitung noch als einigermaßen sicher galt!), habe ich ihn mit großem Enthusiasmus betrieben. Mein großer Traum war Geo, doch vor der Aufnahmeprüfung der Henri-Nannen-Journalistenschule schreckte ich zurück. Ich hatte zu viele Interessen, um mich für ein Studienfach entscheiden zu können, also nahm ich die Journalistik, die von allem etwas beinhaltete: Politik, Soziologie, Philosophie, Kommunikationswissenschaft, Geschichte, Recht, Statistik (Gott im Himmel!)... und natürlich die ganzen praktischen Fächer des journalistischen Schreibens, Interview- und Recherchetraining. Layout, Radio, Fernsehen. Das Ganze an einer kleinen Uni mit gutem Ruf und in einer Stadt, die klein genug war, um mich überzeugtes Landei nicht zu verschrecken.
Altmühl
Und wie habe ich es geliebt. Eichstätt war der erste Ort außerhalb meines Elternhauses, von dem ich als "Daheim" zu sprechen begann. Das lag an meinen lieben WG-Mitbewohnern, egal, wie oft sie wechselten, an meiner Journalisten-Clique, die ich heute noch habe, auch wenn wir weit auseinander wohnen, am Chor und den "Drei Tenören" (ich sang aus Männermangel im Tenor mit und lernte so meinen Eichstätt-Korrespondenten kennen, der mit bei meiner Recherche zu No Pflock sehr half), aber auch an der Cafete-Frau, die mir manchmal zum Feierabend übrig gebliebenen Kuchen schenkte, an meinen Nachbarn, die mir alle journalistischen Produkte abkauften, die wir erschufen, und mich zum Plätzchenessen einluden, an der Natur rundum ...
Meine Patin vom Absolventenverein der Eichstätter Journalistik, Maria Held - meine Heldin mit vielen guten Tipps zum Einstig in den Beruf

Das Journalistik-Diplom, lernte ich später, ist nicht der beste Weg in den Journalismus. Verlage haben es lieber, man ist Spezialist für etwas und setzt dann das Volontariat drauf, was ich ohnehin noch machen musste. Nach der Diplom-Note hat mich eigentlich nie mehr jemand gefragt, sondern hauptsächlich nach meinen Praktika. Aber trotzdem würde ich die Zeit in Eichstätt niemals missen wollen. Ich habe Selbstvertrauen gewonnen, Menschen getroffen, die mich schätzen, mich selbst organisieren gelernt - und ganz nebenbei richtungsweisende Erfahrungen gemacht für meine heutige Berufswahl, was ich damals noch nicht begriff. In den Schreibseminaren korrigierten wir uns gegenseitig die Texte und lernten, wann Kritik persönlich genommen wird und wie wir (mehr oder weniger erfolgreich) Fingerspitzengefühl entwickeln, damit das nicht passiert. "Das Medium Buch für Journalisten" war ein tolles Seminar, in dem ich mein Erstlings-Manuskript "Menschenwolf" zur Diskussion stellte, mit dem ich letztlich meine Literaturagentin gewann. Doktor Fetz, mein wunderbarer Philosophieprofessor ("Die gleiche Suppe können Sie ruhig zweimal essen, dieselbe Suppe... das wird unappetitlich."), teilte seine Erfahrungen im Bücherschreiben und auf der Suche nach Verlagen.
Professor Fetz signiert mir seinen Krimi, in dem ein Philosophieprofessor einen Mordfall aufklärt.
Auch wenn ich nach dem Diplom noch einige Jahre als Praktikantin und Freie herumknapste, bevor ich im wilden Osten mein Volontariat bekam (was sicher auch an Pech und mangelnder Vorplanung lag - meine Freunde fanden alle schneller Jobs als ich, wenn auch nicht zwangsläufig im Journalismus), hat diese Zeit meine Überzeugung bestärkt: Alles, was man erlebt, lernt, kommt einem später mal zugute, auch wenn man es nicht unmittelbar umsetzen kann (Reden wir mal nicht davon, wie Medienethik im Alltagsgeschäft behandelt wird, meine Beispiele sind da noch harmlos, aber frustrierend).

Was ist passiert in diesen zehn Jahren? Ich habe drei Bücher herausgebracht, das erste in unmittelbarer Folge meines Studiums, da es meine Diplomarbeit war über Erich Schairers Arbeit als kritischer Journalist vor und in der Nazizeit, das dritte in indirekter Folge - na ja, und die Geschichte dieses Aufklebers muss ich nicht nochmal erzählen.
Ich bin öfter umgezogen, als ich es mir jemals hatte vorstellen können, und bin nun in einem Bundesland zuhause, das ich damals einfach gar nicht auf dem Schirm hatte. In ausgerechnet den Landkreis, der Eichstätt gerne entgegengestellt wird, wenn man lebenswerte Regionen untersucht. Aber genau hier habe ich meine dritte Heimat gefunden. Denn die Eichstätter ist wieder geschwunden, als meine Nachbarn ins Altenheim gingen, die Professoren in Ruhestand und fast alle meine Freunde wegzogen und sogar mein Lieblings-Italiener schloss. Da sind meine neuen Wurzeln in Schwedt besser verankert.
Vegetarischen Burger im PastaCChino am Domplatz - kann man heute leider nicht mehr kriegen
Ich habe in diesem Jahrzehnt seit Eichstätt sowohl das arschigste als auch das respektvollste Vorstellungsgespräch aller Zeiten erlebt, war bereit, um des Geldes Willen PR-Jobs anzunehmen, die mich kein Stück interessierten, habe als Redakteurin Verantwortung gelernt und am Ende einen gut bezahlten Posten ausgeschlagen, um die "unsicherste" Variante der Selbständigkeit zu wählen, die mich seither unendlich glücklich macht. Mein Motorrad hat jetzt schon das zweite Auto überlebt, ich arbeite am dritten Laptop und mit der zweiten Profikamera und bin etwas kleiner geworden, seit mir ein Stück Bandscheibe fehlt. Ich habe meinen Freund kennen und lieben gelernt und ein ganzes Set an neuen Hobbys, die alle miteinander meine Kreativität befreit haben, von Mittelaltermärkten über Rollenspiel bis hin zu Filk und Schreibnacht. Schwedt hat meine Liebe zur Natur wieder neu angefacht, ich habe kleine und große Wölfe geknuddelt und mehr wundervolle Menschen getroffen, als ich je aufzählen kann (Krautzes, Alisha, Susanne, Moni und Tassi, Dani, ihr wisst, wovon ich rede!).
Laptop Nummer eins in meiner WG-Bude
Ist das eine gute Bilanz unter zehn Jahren? Wahrscheinlich haben andere Menschen nach objektiv zu messenden Kriterien erfolgreichere Lebensläufe. Aber ich bin gerade sehr zufrieden mit meinem Leben. Danke, Eichstätt!

Donnerstag, 1. Juni 2017

Nachtrag: 7 Fakten

Meine liebe Schreibnacht-Freundin Nika hat meine Nominierung zum Versatile Blogger Award eingelöst und sieben Fakten über sich preisgegeben: http://frau-vorragend.de/?p=669
Bei Punkt 3 und 4 spricht sie mir voll aus der Seele. 
Und ich bitte um Entschuldigung, dass ich so still bin gerade. Eine drohende Lungenentzündung hat mich aufgehalten und meine To-Do-Liste in ungeahnte Längen wachsen lassen. Ende Juni wird es wohl besser, dann melde ich mich auf jeden Fall zurück.

Freitag, 17. März 2017

Schreibmusik und Stille - der "No Pflock" - Soundtrack


Der wunderbare Armin Müller-Stahl hat mal sinngemäß gesagt: "Wo die Schauspielerei aufhört, fängt das Schreiben an. Wo das Schreiben aufhört, fängt die Malerei an. Wo die Malerei aufhört, fängt die Musik an." In Abstufung, welche Kunstform am besten dazu geeignet ist, sich auszudrücken. Kunst, aber vor allem Musik kann das darstellen, wofür uns die Worte fehlen. Deshalb heißt es ja auch, Musik überschreitet alle Grenzen und kann Brücken bauen. Müller-Stahl muss es ja wissen, schließlich hat er in allen vier Künsten Erfolg.

Für viele meiner Autorenfreunde spielt Musik eine große Rolle beim Schreiben. Sie versetzt in die richtige Stimmung und die Auswahl beeinflusst sogar, welche Wendung die Geschichte nimmt, fröhlich, tragisch, romantisch. Ich finde dieses Konzept wunderschön - es ist für mich nur völlig ungeeignet. Schon allein, weil ich niemals ein Stück finde, das genau die Szene trifft, die gerade in meinem Kopf entsteht. Weil viele Musikstücke bereits mit anderen Assoziationen verbunden sind, Filmen oder Situationen, in denen sie im Radio liefen oder wir sie im Orchester gespielt haben. Und selbst wenn ich ein Stück finde, das einigermaßen passt, ist es nach vier, fünf Minuten vorbei. Aber es ist mehr als das: Ich mag gar nichts hören,w enn ich schreibe. Ich möchte komplett in meiner eigenen Fantasie verschwinden.

Deshalb hat es mich sehr gefreut, als Patrick Rothfuss in einem Interview sagte: "Warum, um Himmels Willen, sollte ich beim Schreiben Musik hören wollen? Da ist mein Gehirn voll mit dieser einen Herausforderung beschäftigt." Er empfahl sogar seinen Lesern, keinesfalls bei der Lektüre Musik laufen zu haben, sondern sich ganz und gar auf das Erlebnis der Kingkiller-Chronicles einzulassen. (Hey, sollten wir ihm den Strom abdrehen? Vielleicht hört er gerade zu viel Musik, um endlich mit Band 3 rauszurücken.)

Allerdings hat mich meine Schreibnacht-Freundin Tali mittlerweile mit ihrer Idee angesteckt, Lieder zu finden, die bestimmte Charaktere in ihren Büchern repräsentieren, ihre Eigenschaften, Stimmungen oder auch, wie andere sie sehen. Ein paar Tage lang habe ich wie wild herumgesucht, weil ich unbedingt etwas haben wollte, das zu Ravic passt, dem Vampir, der Martins Entwicklung in meinem Roman "No Pflock" auslöst. Bis ich irgendwann aufgab - wie sollte man auch die Komplexität einer Persönlichkeit, die eine unbekannte Zahl von Jahrhunderten auf der Welt gelebt und getötet hat, in ein Lied fassen? Kurz darauf stand ich in der Küche, hatte eine alte Playlist laufen, um mich beim Abwasch bei Laune zuhalten - und plötzlich ging mir auf, dass eines der Lieder ein Ravic-Lied war. Plötzlich brach der Damm und ich habe mittlerweile einen ganzen "Soundtrack" zusammengestellt, und das nicht nur zu meinem Erstling, sondern zu mehreren Buchprojekten.

Das heißt nicht, dass ich den beim Schreiben laufen hab, ganz und gar nicht. Aber ich höre ihn zum Beispiel vorher, um mich in Laune zu versetzen. Manchmal suche ich im Internet ganz gezielt nach einer Stimmung, einer Textzeile, die mir dunkel im Gedächtnis geblieben ist, und stolpere noch über ganz andere Lieder, die wieder neue Plotbunnies auslösen. Außerdem komme ich so an Musik, die ich sonst niemals gehört hätte. Nur ganz selten nur finde ich etwas, das auf eine konkrete Szene passt, und auch "Charakterlied" darf mal nicht zu wörtlich nehmen: Manchmal passt nur eine einzelne Textzeile, aber die Art des Liedes löst die richtigen Gefühle aus - Musik eben, jenseits von Worten.

Deshalb möchte ich hier gerne meinen "No Pflock"-Soundtrack teilen, so weit er im Internet verfügbar ist (manches hab ich auch auf privat gekauften CDs und werde garantiert keine Urheberrechte verletzten, indem ich die jetzt irgendwo hochlade). Allerdings muss ich warnen: Wer sensibel genug ist, könnte schon fast durch die Liedauswahl gespoilert werden, was in dem Roman passiert. Und die Youtube-Videos zu schauen, führt eher auf die falsche Fährte. Stellen wir uns also "No Pflock" ein wenig als Film vor ...

1) Vorspann: https://www.youtube.com/watch?v=L3FfSyzXM44
2) Martin:
3) Ravic - ein spezieller Fall. Jedes dieser Lieder beleuchtet nur einen kleinen Teil des Charakters und selbst so sind nicht alle abgedeckt. Aber wie soll das auch anders sein bei einem so alten Vampir?
4)  Liza: leider nur ein kleiner Ausschnitt: http://bandits-movie.de/deutsch/songs_bandits_hoeren.htm?11, aber hier ist der ganze Text: http://www.songtexte.com/songtext/bandits/time-is-now-4bccd3ba.html

5) Vincenzo (und ja, ich weiß, das ist ein französisches, kein italienisches Lied. Verklagt mich!) https://www.youtube.com/watch?v=XKSyXxS1XGU

 6) Martin und Alina:
7) Letzte Szene von "Die Trompete" ab dem Moment, wo die Fenster aufgehen: https://www.youtube.com/watch?v=w9_isl1jjHc

8) Mein Hauptbösewicht: https://www.youtube.com/watch?v=0tf9wEmzwUo

9) Kapitel "Schutzengel"
10) Abspann: https://www.youtube.com/watch?v=utLCu-Mpnqo

Musik sagt mehr als tausend Worte. Vielleicht ist es mir ja gelungen, die Stimmung zu teilen, die sich beim Schreiben entwickelt hat. Denn Soundtrack und Manuskript sind parallel gewachsen und haben gemeinsam mein Verständnis für die Geschichte vertieft.

Wer noch nicht genug hat: Weil ich mittlerweile von Lesern und Rezensenten (ich liebe es: https://phantastisch-lesen.com/no-pflock-andrea-weil/) schon nach Fortsetzungen o.ä. gefragt worden bin und an was ich sonst noch so arbeite, gibt es hier als Teaser noch weitere Auszüge aus zwei aktuellen Herzensprojekten:

Science-Fiction-Trilogie:
Vorspann: https://www.youtube.com/watch?v=JlE3VE2mTzY
Mein Hauptprotagonist: https://www.youtube.com/watch?v=qkSPe7mvELo (übrigens ein Lied, das mir rund um meine Bandscheiben-OP viel Kraft gegeben hat)
Sein bester Kumpel: https://www.youtube.com/watch?v=jtRRO1mNA3o
Die Gefahr: https://www.youtube.com/watch?v=uj_KUKzGY08

Ein von "No Pflock" unabhängiges Vampirprojekt:
Protagonistin1: https://www.youtube.com/watch?v=mlmhMS_luX8
Protagonist 2: https://www.youtube.com/watch?v=sD72LbIk02M
Protagonist 3: https://www.youtube.com/watch?v=ja-UfKJaDIQ (nein, das ist nicht das Original aus dem Film, sondern ein Fanprojekt)
Protagonist 4: https://www.youtube.com/watch?v=jOcSpdK6r9s (auch nicht das Original, aber eine schöne Interpretation)




Freitag, 24. Februar 2017

Autorin im Interview - also ich

Bild: rund-UM-photo

Interviews führen, das hab ich schon vor Jahren im Studium gelernt und später als Volontärin und Redakteurin zu Genüge geübt. Interviewt werden ist eine ganz andere Nummer. Es ist interessant zu beobachten, welche Fragen die Kollegen mir als Autorin stellen, manche kann ich voraussehen ("Woher kommt die Idee?"), andere nicht ("Gibt es einen Unterschied zwischen literarischem Schreiben und journalistischem?" - ömmmm, definitiv, aber ich muss mal schwer überlegen, wie ich den formuliere). Meine Agentin Alisha Bionda hat den Fehler gemacht, mich ausdrücklich aufzufordern, ausführlich zu antworten, damit die Leser mich richtig kennenlernen können. Und das können sie. Von meiner geschwätzigsten Seite! Viel Vergnügen: http://www.literra.info/interviews/interview.php?id=483

Mittwoch, 15. Februar 2017

Mein erstes Buch: Stadien der Freude

Den ganzen Tag war ich auf einer Konferenz und habe immer mit einem Auge auf den Status der Paketlieferung geschielt. Am Montag hat eine Freundin bereits ihr Exemplar (http://www.fabylon.de/produkt/weil-andrea-no-pflock/) bekommen, in einem Rutsch ausgelesen und ist dabei gegen den Couchtisch gerannt. Ich war so neidisch! Jetzt endlich bin ich daheim und habe mein Päckchen von der Nachbarin geholt.

Stadium 1: Schnappatmung. Erstmal Whisky einschenken (15jähriger schottischer Single Malt, extra für den Anlass gekauft)


Stadium 2: Ehrfürchtig streicheln. Zehn Exemplare gehören mir. 220 Seiten sind echt niedlich dünn für Fantasy, wenn man es so betrachtet.


Stadium 3: Aufmachen und schnuppern. Frisch gedruckte Bücher riechen toll, eigene noch besser. Perspektivwechsel werden mit kleinen Fledermäusen eingeleitet, im eBook sind es Grabsteine, Nettes Detail.


Stadium 4: Feuchte Augen kriegen.


Stadium 5: Ruhig dasitzen und genießen.


Stadium 6: Energieschub, rumtanzen, albern werden.


Stadium 7: Die ganze Welt umarmen. Oder Fledermaus Samantha in Stellvertretung.


Donnerstag, 2. Februar 2017

7 Fakten über mich: The Versatile Blogger Award



Der erste Fakt über mich wäre eigentlich, dass ich nie an Blogger Awards teilnehme, weil ich ohnehin so selten blogge und Nominierungen verpasse oder weil mir zum Thema nichts einfällt. Zum Glück ist "The Versatile Blogger Award" so weit gefasst, dass man einfach alles Mögliche erzählen kann, solange es wahr ist, vielleicht ein bisschen überraschend und lustig. Nominiert hat mich meine liebe Kundin Charlotte Cole, der ich herzlich danke. Ich freu mich übrigens schon sehr auf deine Drachen. Wer wissen will, was sie so alles Tolles schreibt (und kocht), kann mal auf ihrem Blog vorbeischauen: https://charlottecolewrites.com/

Die Regeln sind:
  1. Danke dem Blogger der dich nominiert hat - schon erledigt
  2. Verrate sieben Fakten über dich
  3. Nominiere andere Blogger

Sieben Fakten über mich: 

1) Igitt, Käse
Ich kann Käse nicht leiden. Das hat nichts mit Laktoseintoleranz zu tun oder sowas, ich mag den Geschmack einfach nicht. Sogar Pizza bestelle ich mir ohne Käse und nehme dabei in Kauf, dass der Belag beim Essen runterkullert. Tatsächlich probiere ich Käse hin und wieder mal um zu sehen, ob sich meine Geschmacksnerven vielleicht geändert haben, wie sie es z.B. mit Oliven taten. So habe ich immerhin entdeckt, dass Feta aus Schafsmilch was richtig Tolles ist.

2) Umweltschutz

Meine Liebe zur Natur hat mein Leben stark geprägt. Mit acht Jahren machte ich mir ganz allein einen Termin beim Villmarer Bürgermeister aus, um ihm auseinanderzusetzen, dass die Hecken an den Feldrändern zu stark beschnitten worden waren, um Tieren noch vernünftig Zuflucht gewähren zu können. Mit zwölf Jahren trat ich in ein Greenteam ein (Jugendorganisation von Greenpeace) und schrieb für eine Umwelt- und Jugendzeitschrift erste Artikel. Meine Berufswahl Journalist hing eng mit diesem Engagement zusammen und beeinflusst mich bis heute, wenn ich z.B. Vorträge über Wölfe halte.

3) Unvernünftig bis gefährlich
Unvernünftig bin ich äußerst selten. Ich rede hier nicht von meinem Motorrad. Zwar fahre ich das allein aus Spaß, aber es ist auch nicht so gefährlich, wie viele Leute meinen. Anders die folgende Anekdote: Mit 16 war ich mal mit dem Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Villmar in den USA. Bei einem Ausflug in den Grand Canyon kletterte ich, allen Warnhinweisen zum Trotz, über eine Absperrung, um mich ganz nach vorn auf eine Felsennase zu stellen und einige hundert Meter tief in den Canyon zu schauen. Adrenalin! Und natürlich völlig verrückt. Heute würde ich jedem Kind die Ohren langziehen, das ich dabei erwischte!

4) Die Blutsauger und ich
Wie ich vielleicht mal erwähnt haben mag (auch drei- oder viermal), kommt am 15. Februar mein erster Roman heraus. Aber ich bin schon sehr viel länger ein Vampir-Fan. In der Grundschule habe ich sogar mit einer Freundin einen Vampirclub gegründet und natürlich haben wir im Fernsehen die Abenteuer von Anton und Rüdiger verfolgt. Als Twilight kam, war ich zum Glück zu alt, um mich von dieser angeblichen Romanze (er beobachtet sie ständig heimlich, wie creepy ist das?) beeindrucken zu lassen. Mein Vorbild sind da doch eher Dracula, Hellsing und die World of Darkness.

5) Gesang
Die Klarinette hab ich mit der Volljährigkeit hinter mir gelassen und mich im Studium spontan einem Chor angeschlossen, wozu ich früher wegen Orchester nie Zeit gehabt hatte. Zunächst sang ich wegen Männer-Unterbesetzung Tenor, dabei bin ich, wie sich später rausgestellt hat, ein astreiner Sopran. Mein Chor, bei dem ich auch Schriftführerin bin, hatte bei meinem Eintritt einen Altersdurchschnitt, der doppelt so hoch war wie ich alt. Aber ich fühle mich sehr wohl dort. Über das Rollenspiel habe ich vor eineinhalb Jahren die Filk-Szene entdeckt. Mein erstes Lied, das ich umgeschrieben habe, war „Dust in the Wind“ von Kansas. Natürlich ging es in meiner Variante um Vampire: „Ash in the Wind – a vampires suicide“.

6) Dinosaurier
Bevor ich meine Wolfsphase hatte, hatte ich eine Dinosaurierphase. Ich habe mir bei „In einem Land vor unserer Zeit“ die Augen ausgeheult, hatte Holzskelette zum Zusammenbauen, bekam mit neun Jahren zu Weihnachten die Enzyklopädie der prähistorischen Tierwelt und konnte die ganzen lateinischen Namen auswendig. Als „Jurassic Park“ rauskam, war ich elf und ein Jahr zu jung für die Altersfreigabe des Films. Ich lag meinen Eltern so lange in den Ohren, bis sie mich beide begleiteten. Meine Mutter hielt sich ständig die Augen zu, mein Vater bekam Alpträume – ich hab mich prima amüsiert.

7) Bucket-List
Auf der Liste der Dinge, die ich mal in meinem Leben tun möchte, stand auch: nackt im Regen tanzen. Das hab ich mittlerweile abstreichen können, aber ich verrate nicht, wann und wo. Was schon ziemlich lange unerfüllt ist: Jemand soll mir mal in einer großen Kirche mit guter Akustik „Das Phantom der Oper“ auf der Orgel spielen.

Dinosaurier mag ich übrigens immer noch. Hier der jüngste Zuwachs für meine Perlsacktierchen-Sammlung: Silent Stanley, der Stegosaurus. 


Jetzt bin ich noch mit Nominieren dran. Ich bin mal neugierig, was meine Schreibnachtkollegin Nika über sich erzählt!